Dringend benötigter Wohnraum versus Flächenversieglung

Die Grünen hatten am vergangenen Donnerstag zum Thema ‚dringend benötigter Wohnungsbau versus zunehmende Flächenversiegelung‘ die MdL Barbara Saebel aus Ettlingen in die Aula des Gymnasiums von Langensteinbach eingeladen.

Vergleicht man die Zunahme des täglichen Flächenverbrauchs von 3,6 Hektar im Jahr 2016 auf 7,9 Hektar in 2017, so kann man feststellen, dass sich der Verbrauch in BaWü fast verdoppelt hat. In den Jahren zuvor hatten sich die hohen Flächenverbrauchszahlen zwar nur langsam, aber doch nach unten entwickelt. Das ist weit weg vom ambitionierten Ziel „Netto-Null“. Was ist im Land passiert?

Unter dem Vorwand der Wohnungsnot in Ballungsräumen schaffen die Gemeinden jetzt  im Speckgürtel rund um die Großstädte neue Baugebiete in lockerer Bebauung.

Arbeiten in der Stadt, aber Wohnen auf dem Land, so hat das auch der Bürgermeister Mentrupp von Karlsruhe für die Gemeinden im Nachbarschaftsverband angedacht. Für uns untragbar, weil es zum einen die Verkehrsprobleme durch höheres Verkehrsaufkommen verschärft und weder der Umwelt (Flächenfraß) noch dem Klima nützt.

Gefragt ist nach wie vor eine konsequente Mobilisierung der Innenentwicklungspotenziale. Leerstände und Baulücken gibt es auch in Karlsbad. Helfen könnte, um die Innenentwicklung besser voranzubringen, der Einsatz eines Flächenmanagers, so der Vorschlag von Barbara Saebel. Diese/r könnte zwischen den Wohnungseigentümern und den Wohnungssuchenden vermitteln und beratend tätig sein.

Die Landtagsabgeordnete erwähnte in Ihrem Vortrag auch die Novelle des Bundesbaugesetz-buches vom Mai 2017, mit der die Bundesregierung gesetzlich vorgeschriebene Umwelt-standards außer Kraft gesetzt habe, und die mit dem § 13b BauGB den Kommunen erlaube, ohne Umweltprüfung und Naturschutzausgleich schneller ihre Bauvorhaben durchzusetzen. Da die Bundebauordnung Vorrang vor der Landesbauordnung habe, könnte dies den Flächenverbrauch künftig noch mehr ansteigen lassen.

Auch in Karlsbad häufen sich Nachfragen von jungen Familien nach Baugrundstücken, obwohl die Bevölkerungsentwicklung eher stagniert. Geändert hat sich auch der Bedarf an Wohnfläche. Die gleiche Fläche, die früher 2-3 Menschen zum Wohnen diente, beansprucht heute ein Single als Wohnraum für sich allein. Da hat sich einiges verschoben, über das auch nachgedacht werden muss.

Ein weiteres Problem ist, dass früher keine Bebauungspläne im Innenbereich vorhanden waren; ein nachträgliche Bebauung oder Nachverdichtung erfordere aber neue Bebauungspläne. Das verteuere die Kosten für die Gemeinde enorm. Das sind Probleme, für die es noch keine praktikablen Lösungen gibt.

Beim Schließen von Baulücken mit Neubauwohnungen gilt das gesetzlich vorgeschriebene  Parkangebot von 1 ½ Parkplätzen pro Wohneinheit, was dazu führe, dass die Autos die Straßen zuparken. Das macht den Straßenraum für Fußgänger und Radfahrer auf dem Land unattraktiv.

Angesprochen wurde im Vortrag sowie in der Diskussion auch das Problem der Mietpreis-steigerung durch weniger Sozialen Wohnungsbau, die Verteuerung des Bauens – 70% Verteuerung im Vergleich zu Jahr 2000 – , die energetischen Anforderungen sowie der Bedarf an Wohnfläche pro Bewohner. Diese Probleme betreffen inzwischen auch das Land, auch hier braucht es Wohnraum für einkommensschwache Familien.

Wohnen muss also zusammengedacht werden mit einer guten Verkehrsanbindung an den ÖPNV, an die Nutzung von Leerstand und daran, die Potentiale der jetzt schon versiegelten Flächen zu heben. Lösungen können sein: Innenentwicklung über Baulückenschließung und Nachverdichtung, den Örtlichkeiten angepasst in die Höhe bauen, wo es sinnvoll ist , auch in Gewerbegebieten, Sanierung statt Abriss prüfen, generationengerechtes Bauen, Mehrfachnutzungen von Gebäuden, einer Verbesserung des Kleinklimas durch verschiedenen Maßnahmen, Schaffung einer klimafreundlichen Mobilität in den Gemeinden und zuletzt mehr Mischgebiete, die lange Verkehrswege minimieren.

Es gibt noch viel zu tun.

Text: Dietlinde Bader-Glöckner

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